Aussaat einheimischer Gehölze.

 

Für viele ist es das Schönste, seine Pflanzen durch Aussaat selber groß zu ziehen. Es geht hier aber nicht um Tomaten und Gurken, sondern um Birke, Eiche, Buche, Ahorn, Kastanie, Kiefer etc. für den Bonsaifreund, aber natürlich auch für den eigenen Baum im Garten.

Im September / Oktober werden sie wieder verstärkt angeboten – Samentüten mit tollen Bildern von uralten, wunderschönen Bonsai und der Aufschrift „ Bonsaisamen „. Meiner Meinung nach müßte man so etwas verbieten, denn es ist vielen immer noch nicht klar, das es keine Bonsaisamen sind, sondern normale Baumsamen. Zum Bonsai wird der Baum erst durch erzieherisches Eingreifen des Menschen. Auch steht in vielen Aussaatanleitungen, „ Aussaat ganzjährig in der Wohnung möglich „. Möglich schon, aber nicht sinnvoll. Im Gegensatz zum Menschen hat sich die Natur bei allem, was sie so fabriziert hat, etwas gedacht. Die Herbst- und Wintermonate sind in unseren Breitengraden nicht geeignet, Samen keimen zu lassen. Was hätten die jungen Keimlinge schon davon, sie würden eh erfrieren. Aussaat schon, aber keine Keimung. Die beginnt, wenn es im Frühjahr wärmer wird.

Ja, nun werden einige sagen, es gibt aber Zimmergewächshäuser, Wärmematten, Wachstumslampen. Klar gibt es die, aber diese Art der Kultur sollte man dem Erwerbsgartenbau überlassen. Oder man möchte Paprika, Tomaten oder Cannabis vorziehen.

Woher bekomme ich gutes, frisches Saatgut. Selber sammeln wäre das sinnvollste, aber nicht jeder hat die Möglichkeit dazu. Also kaufen. Hier bitte die Anbieter bevorzugen, die nicht das ganze Jahr immer alles vorrätig haben. Auch Saatgut ist ein Saisonartikel. Oft hat man da das Pech, das einem überlagertes, nicht mehr keimfähiges Saatgut verkauft wird. Hier kaufe ich z.B. schon seit Jahren. Klein, aber fein und preiswert: https://www.initiative-baum.org/

Bitte keine Bonsaisamen kaufen, die gibt es nicht. Die Bezeichnung Bonsai ist nur dafür da, um mehr Geld zu verdienen, wie auch oft bei - ökologisch Wertvoll – BIO – Natur – Gesund – Naturrein.

Hinweis: Wer neu mit dem Hobby Bonsai anfängt, dem empfehle ich Baumarten mit wechselständigen Blättern.

Hier kann man sich über die verschiedenen Baumarten und ihre Besonderheiten informieren:

https://www.klimawandelgehoelze.de/klimawandelgeh%C3%B6lze/

https://www.cermeter-pflanzen.de/2019/07/10/welche-baumart-braucht-wie-viel-licht/

https://www.baumpflegeportal.de/

Noch ein kleiner Tip: Unser Edeka hat eine riesige Wand mit einzelnen Müslikomponenten. Zum selber abwiegen. Die verschiedenen Nusssorten sind hier alle ohne Schale. Ob die nun noch keinfähig sind, kann ich nicht sagen. Aber im September steht immer eine kleine Vitrine daneben. Hier kann man sich frische Nüsse mit Schale abwiegen. Erdnuss, Walnuss, Haselnuss, Pistazie, Paranuss, Pekannuss und Marone. Ich hole mir hier jedes Jahr die Sorten, die ich brauche. Bisher hat alles zu 100% gekeimt. Ein Gag ist, sich 15 Erdnüsse abzählen und 19 Cent an der Kasse mit Karte zu bezahlen :-) Und noch ein Tip: Nüsse und Obstkerne für die Aussaat knacke ich grundsätzlich mit einem kleinen Schraubstock.

Alle Samen werden vor der Aussaat kontrolliert, gegebenenfalls mit einer Lupe. Gebrochene Samen oder mit Rissen in der Schale werden aussortiert, genauso mit kleinen Löchern ( Eicheln, Kastanien, Nüsse ). Obstkerne müssen gereinigt werden. Dazu legt man die Samen in ein Gefäß mit Wasser, ein klein wenig Zucker dazu und bei Zimmertemperatur gären ( fermentieren ) lassen. Anschließend über einem Sieb abwaschen,

Nun geht es weiter, was braucht man:

Eine passende flache Aussaatschale, vorzugsweise aus Kunststoff, mit ausreichend Abzugslöcher im Boden. Alternativ: alles, was wasserstabil ist, kann zweckentfremdet werden – Joghurtbecher, Tetrapack, Plastikschalen etc. In Plastikschalen kann man sich wunderbar mit einem Lötkolben Abzugslöcher reinschmelzen. Sind die Schalen zu hoch, lassen sie sich leicht zurechtschneiden. Flach aus dem Grunde, man braucht weniger Erde.

Nun zum Aussaatsubstrat.

Qualitativ hochwertig, ungedüngt, keimfrei und wasserdurchlässig. Ich benutze nun schon seit einigen Jahren Kokosfasersubstrat, welches man zum aufquellen mit Wasser angiessen muß. Weiterhin normalen Sand, Vermiculite und Baumrinde. Baumrinde und Sand muß zum entkeimen für ca. 30 Minuten bei 120 Grad in den Backofen.

Nun wird für die einzelnen Samen das Substrat auf die passende Größe gesiebt – Fein, Mittel, Grob. Es gibt im Handel preiswerte Siebe mit verschiedenen, auswechselbaren Einsätzen. Muß nicht für Bonsai dranstehen, dann sind sie auch nicht so teuer. Zwei verschiedene Nudelsiebe aus Kunststoff tuen es auch.
Die meisten Samen von unseren einheimischen Baumarten brauchen eine Kälteperiode ( 4 bis 12 Wochen je nach Art ), um zu keimen. Die Kälteperiode dient dazu, keimhemmende Substanzen abzubauen, die im Samen oder um/an/in der Schale enthalten sind. Diese Substanzen verhindern ein vorzeitiges Keimen vor dem Winter. Unsere einheimischen Baumarten sind zwar extrem winterfest, aber beim Keimvorgang sehr empfindlich. Keimlinge der Birken z. B. halten minus 2 bis 4 Grad aus, Ahorn und Buche können schon bei minus 1 Grad erfrieren.
Es kann auch künstlich eine Kälteperiode vorgetäuscht werden. Hierbei vermischt man den Samen mit feinem Sand, alles in eine verschließbare Plastiktüte füllen und für 2 bis 8 Wochen in den Kühlschrank.
Einige Samenarten keimen auch erst nach einer Hitzeperiode ( 100 bis 500 Grad ), z. B. nach einem Waldbrand oder Baumwipfelbrand ( 1000 Grad ). Ist hier zwar unerheblich, aber wer exotische Samen, z.B. aus Australien, aussäen möchte, sollte sich darüber schlau machen.

So gehe ich vor: Viele Koniferensamen, Nüsse und andere hartschalige Samen haben eine Wachs- Öl- oder Harzschicht um ihre Schale. Die muß weg. Diese Samen kommen, je nach Art für 1 bis 5 Tage ( je nach Art ) in warmes Wasser. Beispiel: Sibirische Zedernnüsse, die ich endlich mal wieder von einem Freund bekommen habe. Ein hohes Gefäß mit warmen Wasser, alle Nüsse ( die Nüsse glänzen, sie sind von einer dünnen Harzschicht umhüllt ) reingeben, am besten auf die Heizug, damit das Wasser warm bleibt. Alles Nüsse schwimmen oben. Mit einem Holzstäbchen regelmäßig umrühren. Nach 24 Stunden das Wasser wechseln. Nun sinken die ersten Nüsse auf den Boden. Nach weiteren 24 Stunden Wasser wechseln. Es sinken weitere Nüssen auf den Boden. Das wiederholt man 3 bis 4 Tage lang. Die Nüsse, die dann noch oben schwimmen, können weg, sie sind taub. Die anderen Nüsse glänzen nicht mehr, die Harzschicht ist ab.

Nun geht es ans aussäen. Aussaattermin bei mir ist vorzugsweise im Spätherbst.

Aussaatschale bis 1 cm unter dem Rand mit Erde füllen, etwas andrücken und Samen drauf. Leicht mit Erde bedecken, einmal in einer Wasserschale tauchen, fertig. Die Erdeschicht über den Samen sollte so dick sein wie der Samen. Ausnahme sind Lichtkeimer. Der Abstand zum nächsten Samen doppelte Samengröße.

Einige Baumsamen sind Lichtkeimer, das heißt, es darf keine Erde die Samen bedecken. Z. B. Birken und Ulmen – hier nur leicht andrücken.
Kastanie, Eiche, Buche – hier kann ein wenig Moos oder Blätter ( keine Walnussblätter ) draufgelegt werden.


Geburtenkontrolle unterm Walnussbaum: Schon im 1. Jahrhundert v. Chr. erwähnte Plinius in seiner “ Historia naturalis”, das Walnussbäume anscheinend eine hemmende Wirkung auf andere Pflanzen ausüben. In der Umgebung des Baumes wachsen kaum andere Pflanzen. Der Grund für dieses Phänomen: Der Walnussbaum ( Juglans regia ) produziert einen Wirkstoff, das Juglon, das die Keimung anderer Pflanzen hemmt.

Ich mache das nun schon etwas länger und weiß, was ich später mit den kleinen Bäumchen vorhabe. Deshalb säe ich gleich so aus, wie ich später kultivieren möchte: 1. Einzelpflanzen für Bonsai und Gartenbaum ( 1 Korn je Saattopf ) 2. Zweierstamm ( 2 Korn je Saattopf ) 3. Dreierstamm ( 3 Korn je Saattopf ) 4. Fünfergruppe ( 5 Korn in Saattopf )


Die Schalen kommen an eine geschützte Stelle ( Wind, Sonne ) – Garten, Balkon, Terrasse, ungeheiztes Gewächshaus. Ich habe alle meine Aussaaten im Gewächshaus stehen. Sollte Schnee kommen, stelle ich alle Schale raus zum vollscheien. Danach kommen sie wieder ins Gewächshaus. Der schmelzende Schnee löst noch vorhandene keimhemmende Substanzen.

Nur nicht so einen Quatsch mit Folie oder Glasscheibe abdecken, nach manchmal 2 bis 3 Monaten Keimdauer oder länger ist dann die Erde verschimmelt oder vermoost.

Wer seine Aussaatschalen draußen hinstellt, bewährt hat sich bei mir auch ein wasserdurchlässiges Flies oder ein feines Netz und sollte es schneien, ist das der beste Schutz. Aber Vorsicht: Bei Tauwetter darauf achten, das kein Wasser in den Schalen stehen bleibt. Besitzer eines Garten sollten natürlich darauf achten, das keine Vögel oder Mäuse an die Saatschalen kommen.

Hinweis: Goldregen, Seidenbaum und Felsenbirne keimen schon bei 5 bis 10 Grad innerhalb von 14 Tagen. Diese erst im Frühjahr aussäen.

Nun geht weiter. Wenn die Samen keimen und das erste Umtopfen steht bevor. Nicht beim ersten Umtopfen reines modernes Bonsaisubstrat verwenden. Meine erste Umtopferde besteht aus 50% Kokosfasersubstrat, 50% Tongranulat/Bims und pro Liter Substrat 1 Esslöffel Hornspäne.

Ich beginne mit dem Umtopfen, wenn nach dem Keimblatt zwei weitere Blätter/Blattpaare gewachsen sind. Es werden noch keine Wurzeln geschnitten, erst beim nächsten Umtopfen. Meine Topfgrößen für das erste Umtopfen sind 7 und 9 cm.

Wie groß lasse ich den meine kleinen Sämlinge werden, bevor ich das erste Mal schneide. Dazu sollte man sich vorher im Klaren sein, welche Art von Bonsai man haben möchte. Geht es um Bäume ab ca. 30 cm aufwärts, ist der Kauf von Jungpflanzen bzw. Rohware in der Baumschule oder Bonsaifachhandel eine preiswerte Alternative.

https://www.die-forstpflanze.de/

Geht es um die Kleinen ( Mame, Shohin ) kann man durch Aussaat in gut 4 bis 6 Jahren akzeptable Pflanzen heranziehen.

Weitere Maßnahmen fallen nun schon unter die Rubrik Gestaltung.

Meine Erfahrungen bei der Aussaat beziehen sich auf Schleswig Holsteins Nordseeseite und Lüneburger Heide.

PDF Datei:

Aussaat einheimische Gehölze

 


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