Heidekrautgewächse - Calluna / Erica vulgaris

Wissenswertes ( für Interessierte )

Die Heide ist ein verholzender und immergrüner Zwergstrauch, der relativ langsam wächst und etwa 40 Jahre alt werden kann. Seine Wuchshöhe beträgt 30 bis 100 Zentimeter, letztere setzt eine ungestörte Entwicklung voraus. Die Heide ist ein Tiefwurzler mit einer endotrophen Mykorrhiza vom Ericaceen-Typ.

Die Blütezeit reicht vom Spätsommer bis Herbst. Die nickenden Blüten stehen in einem dichten, traubigen Blütenstand. Die zwittrigen, vierzähligen, weißen und rosa- bis purpurfarbenen Blüten haben eine Länge von 1 bis etwa 4 Millimetern. Die jeweils vier Kron- und Kelchblätter sind gleich gefärbt; letztere sind doppelt so lang wie die eher unscheinbare Krone. Es sind acht Staubblätter vorhanden. Die Staubbeutel besitzen jeweils zwei hornartige Anhängsel. Um den Pollen zu entlassen, öffnen sie sich mittels endständiger Poren. Bei der Besenheide beginnt die Blühreife an den Standorten mit ca. vier Jahren. Die im Erwerbsgartenbau stehenden Kulturpflanzen ab ca. 2 Jahren.

Es lassen sich charakteristische Lebenszyklen von Calluna vulgaris unterscheiden, die jeweils eigene Lebensgemeinschaften beherbergen:

In der Pionierphase wächst die Heide sehr lückig und erreicht nur selten Wuchshöhen von 10 bis 15 cm. In der Aufbauphase wird nach und nach eine fast vollständige Deckung erreicht, die Blüte ist sehr üppig, die Pflanzen werden bis zu 40 cm hoch. Diese Phase ist für Schafhaltung, Imkerei und Tourismus am günstigsten. In der Reifephase verholzt die Calluna / Erica zunehmend und wird von Schafen nicht mehr verbissen. Sie wird ( bei ungestörter Entwicklung ) nun 60 bis 100 cm hoch und lichter, Moose und Gräser dringen zunehmend ein. In der Degenerationsphase sterben die Pflanzen von der Mitte her ab, können sich aber gleichzeitig an aufliegenden Zweigen neu bewurzeln. Es entstehen typische ringförmige Strukturen mit zentraler Lücke. Natürlich verbreitet ist die Besenheide in ganz Europa mit Schwerpunkt in Mittel- und Nordeuropa, im Osten kommt sie bis Westsibirien vor. Besonders häufig ist sie in eiszeitlich geprägten Gebieten. Schottische Einwanderer führten die Besenheide im 19. Jahrhundert nach Kanada ein. Seitdem breitet sie sich in Nordamerika aus und gilt dort als Neophyt.

Die Heide gilt als Säurezeiger. Sie kommt natürlich auf sonnigen bis lichten Standorten, vornehmlich auf kalkfreien Sanden vor. Sie wächst bevorzugt auf trockenen, aber auch auf wechselfeuchten Böden, beispielsweise in entsprechenden Bereichen von Mooren. Lebensraum sind Heiden, Moore, Dünen, lichte Wälder. Sie ist in Mitteleuropa eine Nardo-Callunetea-Klassencharakterart.

Die Heide kommt vom Flachland bis in Höhenlagen von 2700 Metern vor. In den Allgäuer Alpen steigt die Besenheide im Tiroler Teil an der Mutte oberhalb Bernhardseck bis zu einer Höhenlage von bis zu 2100 Meter auf.

Info aus Wikipedia

Allgemeines

Heidekrautgewächse sind sehr eigenwillige Pflanzen. Auf Grund ihrer unterschiedlichen Lebenszyklen ist es nahezu unmöglich, in der Natur wachsende Wildarten auszugraben und zu kultivieren. Selbst Kulturpflanzen haben Probleme anzuwachsen und neue Wurzeln zu bilden. Daher kommt es vor, das mehrere Jahre nach der Pflanzung der Wurzelballen immer noch die Topfform hat. Deshalb sollte man auch keine Heidekraut-Bonsai kaufen, die wenigen als 2 Jahre in einer Schale kultiviert werden.

Wenn man sich einmal die Bodenstruktur der Lüneburger Heide oder anderer Heiden vorstellt, ist dies auch sehr gut vorstellbar. Die obere Schicht des Heidebodens besteht aus Kiefern-, Birken-, Wacholder- und Heidekrautblättern, die sich in verschiedenen Stadien der Verwesung befinden. Dazu kommen noch Gras- und Moosreste, sowie Bodenpilze. Diese Schicht ist teilweise 15 bis 25 cm dick und versorgt über die haarfeinen Wurzeln die Pflanze mit Nährstoffen. Die Wurzeln sind sehr schwer als solche zu erkennen. Darunter liegt ein leicht sandiger Boden mit einem PH Wert von unter 6. In dieser Schicht, nahe der Oberfläche, verlaufen die vermeintlichen „ Wurzeln „ der Heidekrautgewächse, die manchmal bis zu 2 bis 4 Meter lang sind. Das, was in der Regel als Wurzel angesehen wird, sind im Grunde bewurzelte Äste, da Heidekraut die Angewohnheit hat, im Laufe der Jahre umzukippen. An diesen umgekippten Ästen bilden sich wieder hauchfeine Faserwurzeln, die ein umpflanzen unmöglich machen.

Bonsai

HeidekrautBonsai sehen, wenn sie gut gestaltet sind, wie Wacholder in MiniFormat aus. Bei der Gestaltung zum Bonsai sind aber ein paar wichtige Dinge zu beachten:

  • Heidekrautgewächse haben ein sehr feines und ausgeklügeltes Wurzelsystem. Wenn bei Laubbäumen bei einem Wurzelschnitt andere Wurzeln deren Arbeit übernehmen, ist das bei Heidekrautgewächsen nicht der Fall. Jede noch so kleine Wurzel hat ihre Aufgabe und versorgt einzelne, noch so kleine Zweige. Wird eine Wurzel geschnitten oder entfernt, stirbt der betreffende Zweig unweigerlich ab. Deshalb wird der Wurzelballen auch nicht durch schneiden verkleinert bzw. in Form gebracht, sondern nur durch auskämmen.

  • Das Holz der Äste und Zweige ist sehr brüchig – ähnlich wie Potentilla oder Thymian. Deshalb Vorsicht beim Drahten. Besser ist, wenn möglich, abspannen. Muss doch gedrahtet werden, dann besser einen etwas dickeren Draht nehmen oder zweilagig wickeln. Nicht direkt komplett in die Endstellung biegen, sondern nur ein wenig, ca. 14 Tage warten und dann wieder ein Stückchen weiter.

  • Jeder Zweig oder Ast, der kein Grün mehr hat, stirbt ab. Rückknospung findet nur an Zweigen mit Grün – wie auch bei der Forsythie – statt.

  • Es spielt keine Rolle, ob das Heidekraut im großen Topf oder im Freiland steht, das Größenwachstum ist identisch.

Bei der Grundgestaltung, entfernen von Ästen / Zweigen und beim entfernen der Blütenstiele wird geschnitten, ansonsten wie beim Wacholder, nur die einzelnen Nadeln oder frische Triebe gezupft. In der freien Natur übernehmen die Aufgabe die Heidschnucken.

Im Laufe des Sommers werden sich Blütenknospen ausbilden. Dann sollte man mit dem Zupfen aufhören, denn man möchte ja auch mal eine blühende Heide haben. Die Blütenstiele können entweder bis zum nächsten Frühjahr stehen bleiben oder vor dem Einwintern abgeschnitten werden.

Bei jungen Pflanzen treiben sie sehr gut wieder aus, an ganz alten Holz nicht mehr so üppig. Eine Rückknospung gibt es nur an Zweigen, die noch Grün haben. Zweige ohne Grün sterben in der Regel ab. Deshalb rechtzeitig zurück nehmen, um neue Knospen zu fördern.

Vermehrung ausschließlich über Stecklinge. Aussaat ist nicht lohnenswert. Der Erwerbsgartenbau verwendet 5 bis 8 cm große Stecklinge, die bis zu 2 ½ Jahre bis zum Verkauf kultiviert werden.

Die Heide ist absolut frosthart, sie mag aber keine Staunässe. Ohne Schale bis zum nächsten Frühjahr in die Erde einschlagen und nur zeitweise auf Trockenheit kontrollieren reicht völlig aus. Viele Pflanzen erfrieren nicht über den Winter, sondern vertrocknen.

Alle Heidearten sind Moorbeetpflanzen. PH Wert ca. 4,2 bis max. 5,0. Das heißt - Torf, Moorbeethumus, Nadelbaumhumus, Buchenlaubhumus, Akadama, etwas Perlite oder Sand, max. 5%. Maximal 2 mm Korngröße.

Erica carnea - Schnee - Winterheide verträgt ein wenig Kalk. Hst keine Schuppen, sondern Blätter.

Erica arborea - Baumheide – mag einen Boden, der etwas mineralischer ist. Sie erreicht eine Höhe von gut 10 Meter, ist aber hier bei uns nicht winterhart. Auch wenn es leider immer wieder von einigen Verkäufern behauptet wird.

Das beste Substrat ist das, was dem Baum/Strauch/Staude am besten gut tut. „

Nun kommen einige schlaue Leute, die sagen, feiner Boden verstopft die Bodenlöcher, der Boden verschlammt und die Wurzeln ersticken. Der schlimmste Feind eines lockeren durchlässigen Boden ist meiner Meinung nach das Lebermoos ( Marchantiophyta ). Die Sporen siedeln sich überall dort an, wo kein Konkurrenzdruck ist. Es verschließt die oberen Schichten des Substrat und verhindert den Austausch von Sauerstoff. In einem Kulturgefäß von 9 cm Höhe ( 1 cm Luft nach oben freigelassen ) wird das Substrat vom Lebermoos in einer Stärke von gut 3 cm dichtgemacht

Ich wohne in der Lüneburger Heide und wenn man sich einmal die Pflanzenvielfalt hier anschaut, kann man nur staunen. Es wächst natürlich in erster Linie Heidekraut ( Calluna ), dann Birke ( Betula ), Kiefer ( Pinus ), Fichte ( Picea ), Wacholder ( Juniperus ), Eiche (Quercus. Dann weiterhin, meist mehr am Rande Eberesche ( Sorbus ), Stechpalme ( Ilex ), Pappel ( Populus ), Kirschlorbeer ( Prunus ) u.v.m. Und alle haben im Grunde den gleichen Boden und sind gesund und munter.

Schaut man sich diesen Boden einmal etwas genauer an, kommt zutage: sehr weich, sehr locker, sehr durchlässig, bis auf einen kleinen Teil Sand fast keine Mineralien. Der Boden ist so locker, das ich 3 bis 4jährige Birken oder Ebereschen ohne graben mit einer Hand rausziehen kann.

Beim aussieben von Original Heideboden habe ich festgestellt, das er bis auf ein wenig Sand – ca. 5 bis 10 % und ein paar kleinen Steinchen, keine weiteren mineralischen Bestandteile hat. Das heißt, der Boden besteht zu 90 bis 95 % aus organischen Stoffen – verschiedene Stufen verrottete Blätter, Kiefernnadeln, Zweige, Äste, Gras, Blätter, Blüten. Von oben nach unten immer feiner.

 


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